Im Fokus

Bilder: TEVÎ HER TIŞTÎ – TROTZ ALLEDEM / Krieg & Nolte GbR

Rahmenprogramm IM FOKUS

Gemeinsam Filme gestalten

heißt das transkulturelle Werkstattgespräch zu internationalen Koproduktionen zwischen Kreativen aus deutschsprachigen Ländern und aus dem Globalen Süden. Wie kann hier eine künstlerisch bereichernde, faire und selbstbestimmte Zusammenarbeit geschehen? Filmurheber:innen aus beiden Regionen kommen zusammen, um konkrete Erfahrungen auszutauschen, Herausforderungen zu diskutieren und gemeinsame Lösungsansätze zu entwickeln. Vielfältige Fragestellungen sind möglich, etwa: Wie können unterschiedliche filmische Traditionen und Ästhetiken kreativ inspirieren, ohne dass eine Seite dominiert? Welche praktischen Schritte – von der Projektentwicklung über die Finanzierung bis zur Postproduktion – sind nötig, um partnerschaftlich zu arbeiten?

Satindar Singh Bedi (Indien) und Maria Kaur Bedi (Schweiz) arbeiten seit 2019 als Directors Duo zusammen. Gudula Meinzolt  (Autentica Films) produziert seit 2004 zusammen mit Paulo de Carvalho Filme aus Lateinamerika und Afrika. Shaheen Dill-Riaz hat vielfach prämierte Dokumentarfilme realisiert; er lebt in Deutschland und Bangladesch. 

Teilnehmende: Maria Kaur Bedi & Satindar Singh Bedi, Gudula Meinzolt, Shaheen Dill-Riaz
Moderation: Melanie Gärtner

Mittwoch, 20. Mai 2026, 10.00 – 12.00 Uhr (Seminarraum) 
DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum

Da die Teilnehmendenzahl begrenzt ist: Anmeldung

 

Afrikas Zeugen – eine Filmdatenbank zur deutschen Kolonialgeschichte

Die neue Filmdatenbank „Afrikas Zeugen“ auf der Plattform „History Open“ des Instituts für Zeitgeschichte stellt authentische, ungekürzte Interviews mit afrikanischen Zeitzeug:innen der deutschen Kolonialzeit frei zur Verfügung, die der Dokumentarfilmer Peter Heller in den 1970er bis 1990er-Jahren in Tansania, Namibia und in Kamerun geführt und gefilmt hat. Die Plattform verlinkt auf Anfrage direkt zur Datenbank, in der die Originalaufnahmen zur Sichtung kostenlos verfügbar sind. Zudem stehen synchron alle übersetzten Transkripte der Zeugenaussagen für Forschende bereit. 

„Mit diesem Pilotprojekt zeigen wir: Es gibt Filme – aber keine ‚Filmreste‘, die sonst einfach entsorgt werden. Diese dokumentarischen Aufzeichnungen sind ein lebendiges gesellschaftliches Gedächtnis. Geschichte darf nicht vergessen werden – sie muss am Leben bleiben!“, betont Peter Heller. Der Filmemacher stellt im Kino des DFF anhand anschaulicher Beispiele Interviews sowie ihre Entstehungsgeschichte vor und führt in die Nutzung der Datenbank ein.

Zu Gast: Peter Heller
Moderation: Cornelia Wilß

Mittwoch, 20. Mai 2026, 13.00 – 14.30 Uhr 
DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum (Kino)

 

Panel

Medien, Macht und Widerstand: Bilder aus dem Iran

Auf dem Panel „Medien, Macht und Widerstand: Bilder aus dem Iran“ diskutieren iranische Film- und Kunstschaffende über die Rolle und Bedeutung von Bildern aus dem Iran. Dabei stehen zentrale Fragen im Mittelpunkt: Welche digitalen Formen des Widerstands waren vor der aktuellen Kriegssituation möglich – und welche bestehen heute noch? Wie werden illegale Bilder sowohl innerhalb des Landes als auch im Ausland sichtbar gemacht? Welcher visuellen Propaganda bedient sich der theokratische Staat, um seine Macht zu festigen? Und wie konnten Filmschaffende und Künstler:innen bis Kriegsbeginn strategisch handeln, um die staatliche Zensur im Iran zu umgehen? Nicht zuletzt wird auch gefragt, welche Handlungsoptionen den im Exil lebenden Kreativen heute noch bleiben.

Parastou Forouhar ist eine iranische Künstlerin und Aktivistin. Als Konzeptkünstlerin setzt sie in ihren Installationen unter anderem Zeichnungen, Fotografien und animierte Bildsequenzen ein. Seit 1991 lebt sie in Deutschland im Exil. Ihr Werk wurde mehrfach prämiert, zuletzt 2025 mit dem renommierten Gabriele Münter Preis. Forouhar hat die politische Opposition ihrer vom iranischen Geheimdienst 1998 ermordeten Eltern auch in Teheran fortgeführt. 

Der iranische Filmemacher Jafar Najafi, bekannt für preisgekrönte Filme wie Alone (2022), lebt derzeit als Geflüchteter in Darmstadt und kämpft um sein Recht auf Asyl. Während eines Aufenthalts in Frankfurt 2025 durchsuchten iranische Behörden seine Teheraner Wohnung und beschlagnahmten sein Filmmaterial zur Polizeigewalt gegen die Frau-Leben-Freiheit-Proteste.

Teilnehmende: Jafar Najafi und Parastou Forouhar
Moderation: Awa Yavari

Mittwoch, 20. Mai 2026, 18.00 – 19.15 Uhr
Evangelische Akademie Frankfurt 

In Kooperation mit:

 

Masterclass: Robert Krieg

Robert Krieg ist promovierter Soziologe und realisiert seit 1983 Dokumentarfilme in Lateinamerika, dem Nahen Osten und in Europa. Seine Filmographie umfasst Dokumentarfilme wie Intifada – Auf dem Weg nach Palästina (1989), Kinder der Steine – Kinder der Mauer (2010) und seinen aktuellen Film Tevî her tiştî – Trotz alledem (2025). Der Film begleitet den Alltag von kurdischen Frauen in der autonomen Region Rojava (Syrien). Die Frauen haben inmitten von Krieg und Zerstörung eine neue Gesellschaft aufgebaut, die derzeit durch eine islamistische Regierung bedroht ist. Der Film nimmt bewusste die Perspektive der Betroffenen ein, auch das Team bestand bis auf den Filmemacher ausschließlich aus Kurd:innen.

Robert Krieg gewährt den Teilnehmenden Einblicke in seine Arbeitsweise und den kreativen Prozess seiner Regiearbeit:  „Dokumentarfilmarbeit ist für mich Gedächtnisarbeit. Wenn es so etwas wie das kollektive Gedächtnis einer Gesellschaft gibt, dann hat der Dokumentarfilm hier seinen angestammten Platz. Die geduldige Beobachtung, die Erforschung der Hintergründe, die Zeit Fragen zu stellen, die Poesie der Bilder und die Sinnlichkeit des Erzählflusses lassen im Kopf neue Zusammenhänge und Sichtweisen entstehen. Dokumentarfilmarbeit ist auch Phantasiearbeit. Phantasie kann sich nicht von selbst regenerieren, sie bedarf des Anstoßes aus der Realität, sonst sind irgendwann ihre Ressourcen erschöpft.“

Zu Gast: Robert Krieg
Moderation: Melanie Gärtner

Donnerstag, 21. Mai 2026, 10.00 – 12.00 Uhr (Seminarraum)
DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum
Nach einer Pause Filmvorstellung im Kino:
13.00 Uhr: TEVÎ HER TIŞTÎ/TROTZ ALLEDEM (2025) von Robert Krieg, 

Da die Teilnehmendenzahl an der Masterclass begrenzt ist: Anmeldung

Netzwerktreffen kurz vor dem Start der Filmtage

In dem Netzwerk AG Globale Perspektiven im Film engagieren sich Filmurheber:innen und Aktive in der kulturellen und politischen Film- und Bildungsarbeit. Im Zentrum ihrer Anliegen steht die Frage: Wie lässt sich eine vielfältig aufgestellte Filmarbeit realisieren, wenn die in Deutschland produzierten Filme überwiegend eurozentrisch geprägt sind? Die Initiative setzt sich dafür ein, Perspektiven auf den Globalen Süden in Filmproduktion und -vermittlung zu dekolonisieren. Dazu gehört auch die Stärkung von Filmproduktionen im Auftrag öffentlich-rechtlicher Sender, die ihrem Kulturauftrag zunehmend weniger gerecht werden. Zudem fordert die AG eine angemessene Filmförderung – sowohl für die Produktion als auch den Verleih der Filme. Bei dem Netzwerktreffen werden avisierte Aktionen vorgestellt.

Bitte hier anmelden 

Dienstag, 19. Mai 2026, 13.00 – 14.30 Uhr
DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum