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Zwischen Verehrung und Verachtung-Frankreich und seine Équipe Tricolore

Am 12. Juli 1998 köpft Zinedine Zidane Frankreich ins Glück. Für die Grande Nation wird die Nationalmannschaft zum Symbol geglückter Integration. Doch davon ist heute nur wenig übrig. Wie geht das Land heute mit einer Mannschaft um, deren Spieler zum Großteil Migrationshintergrund haben und in dem die rechte Partei Front National gleichzeitig zu einer fast mehrheitsfähigen politischen Strömung geworden ist? Der Autor trifft ehemalige und aktuelle Spieler, Lilian Thuram und Bixente Lizarazu zum Beispiel. Heute engagiert sich Thuram gegen Rassismus und ist Mitglied im Integrationsrat der französischen Regierung. Inzwischen, erzählt Thuram, gilt die Nationalmannschaft nicht mehr als Vor-, sondern als Spiegelbild einer in sich völlig zerrissenen Gesellschaft. Über sie werde in einem Ausmaß öffentlich debattiert und gestritten, wie es in Deutschland kaum vorstellbar sei. Nach den Skandalen und dem frühen WM-Aus 2010 in Südafrika wurden die Spieler öffentlich beschimpft. Der damalige Staatspräsident Nicolas Sarkozy sorgte sich um die „nationale Identität“ der Nationalmannschaft. Marine Le Pen, Chefin der Partei Front National, ging noch einen Schritt weiter: Sie erkenne sich in der Nationalmannschaft nicht wieder, die meisten Spieler trügen „eine andere Nation im Herzen“. Die Einheit war zerbrochen. In der öffentlichen Wahrnehmung gab es „richtige“ Franzosen und „falsche“. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Im Gegenteil, die französische Nationalmannschaft „L’Équipe tricolore“ ist Spielball einer aufgeheizten Debatte, die seit den verheerenden Anschlägen in Paris nochmal an Schärfe gewonnen hat.

Different Bayern

Austin Abassi, Profifußballer aus Ghana, wird nach Europa verkauft. Er denkt, er wechselt zum großen FC Bayern. Doch über schmierige Machenschaften lokaler Vereinsbosse landet er in einem bayerischen Dorf, in dem es außer Kühen nur einen fünftklassigen Fußballverein gibt, der Stolz des ganzen Ortes und vom Abstieg bedroht. Hier kann Austin eigentlich nichts halten. Doch schon bald muss er feststellen, dass Gretzing und Ghana mehr gemein haben, als er glauben wollte.

Die Spur der weißen Elefanten

Der Sportökonom Andrew Zimbalist aus Massachusetts, USA, war Teil der Bewegung, die dazu führte, dass die Bevölkerung Bostons eine Bewerbung ihrer Stadt für die Olympischen Sommerspiele 2024 ablehnte. In seinem Buch „Circus Maximus“ spricht er von „weißen Elefanten“, die überall entstehen, wo Spiele abgehalten werden. Elefanten mit fast weißer Haut waren im alten Siam besonders wertvolle Geschenke, sie durften aber nicht zur Arbeit benutzt werden, so dass nur sehr reiche Menschen sie sich leisten konnten. In der Welt des Sports sind „weiße Elefanten“ nutzlose Großprojekte wie Stadien, die nur einmal gebraucht werden und danach ungenutzt herumstehen und die Steuerzahler des jeweiligen Landes viel Geld kosten. Der Film begibt sich auf Spurensuche, zum Beispiel in Athen. Dort fanden 2004 Olympische Sommerspiele statt. Zwölf Jahre danach stehen dort Ruinen, deren Unterhalt der griechische Staat längst nicht mehr garantieren kann und privaten Investoren überlassen hat. In Rio de Janeiro steht die Schwimmhalle der Panamerikanischen Spiele von 2014 leer, weil der internationale Schwimmsportverband eine neue Arena für Rio 2016 gefordert hat. Außerdem ist in Brasilien auf Schritt und Tritt der übermächtige Fußball zu spüren. Brasilianische Leichtathleten müssen in weit entlegenen Sportstätten trainieren, weil aus dem früheren Leichtathletik-Stadion Célio de Barros ein VIP-Parkplatz für das nebenan stehende Maracanã-Stadion gemacht wurde. Paris, das sich für die Sommerspiele 2024 bewirbt, will beweisen, dass die Abkehr vom Gigantismus vergangener Spiele gelingen kann. Im September 2017 fällt das IOC die Entscheidung, wo die Olympischen Sommerspiele 2024 stattfinden werden.