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Zocken mit Zöllen

Strafzölle gegen China und Deutschland. Fast täglich stellt US-Präsident Trump vermeintlich gültige Regeln des Freihandels auf den Kopf. . ZDFzoom fragt: Was macht Trumps Handelskrieg mit uns?
‚America first‘ – das klingt für Unternehmer Sönke Winterhager aus dem sächsischen Freital absurd. Seine Stahlgruppe Boschgotthardshütte produziert jährlich rund 200.000 Tonnen Edelstahl. Jede zehnte Tonne geht in die USA. Doch seit dem Frühjahr 2018 wird das mit 25% Einfuhrzoll bestraft. Da die USA auf den hochwertigen „Sachsen-Stahl“ nicht verzichten können, bezahlen die meisten Kunden diesen Zoll. ZDFzoom-Autor Kersten Schüßler reist dorthin, wo der sächsische Stahl gebraucht wird – in den „Rost-Gürtel“ der USA, Trumps Stammland. Hier hat Monteur Scott F. Chittohk fest daran geglaubt, dass Trumps Zölle etwas an den manchmal so brutalen Gesetzen des Freihandels ändern können, doch gehen immer mehr Arbeitsplätze verloren.
Wirtschaftswissenschaftler Jens Südekum sieht in Trumps Politik eine radikale Abkehr von den Prinzipien des Freihandels. Der aber sei nie ganz von Einschränkungen frei gewesen. Wie die USA handelten auch Europa und damit Deutschland häufig nach den eigenen Interessen. So durfte sich zum Beispiel Ghana lange vor Billig-Importen aus dem mächtigen Europa schützen. Dann aber forderten die EU und damit Deutschland, Ghana müsse seine Zölle fallen lassen, wenn es weiterhin Kakao in die EU exportieren wolle. Der ghanaische Handelsexperte Kwabena Otoo sieht darin in Anlehnung an US-Präsident Trump eine Europa-First!-Politik mit eindeutigen Interessen.

Bayer – die Fusion und die Folgen

Ein Jahr nach der Übernahme des amerikanischen Saatgutriesen Monsanto ist das eingetreten, was viele Skeptiker schon bei Abschluss des Geschäfts befürchtet hatten: das Negativimage von Monsanto hat massiv auf Bayer abgefärbt und die Leverkusener haben auch die juristischen Altlasten mit übernommen. Der Kurs der Bayer Aktie hat sich im letzten Jahr halbiert und auch im Unternehmen selbst machen sich die Folgen bemerkbar: rund 12.000 Arbeitsplätze sollen in den nächsten Jahren weltweit gestrichen werden, ein erheblicher Teil davon in Deutschland.
Der Film geht auf die Folgen der Fusion ein und zeigt neue Spuren möglicher von Glyphosat ausgehender Gesundheitsgefahren. Wie hat Monsanto in der Vergangenheit versucht, Politiker, Wissenschaftler und die öffentliche Meinung zu beeinflussen? Haben die Amerikaner tatsächlich intern bekannte Gefahren öffentlich bestritten und herunter gespielt? Und distanziert sich Bayer wirklich von solchen Praktiken?

Atomwaffenkartell

Ausgerechnet zum 70. Jahrestag der Gründung der NATO stehen wichtige Abrüstungsverträge vor dem Aus: Der INF-Vertrag zum Verbot nuklearer Mittelstreckenraketen und der NEW START-Vertrag zur Begrenzung der Zahl strategischer Atomwaffen. Beides sind Grundpfeiler der atomaren Rüstungskontrolle. Nun droht ein neuer nuklearer Rüstungswettlauf. In den USA, in Russland und in Europa sucht der Film nach den Hintergründen und Hintermännern dieses Rückfalls in die Denkweisen und Strategien des längst überwunden geglaubten kalten Krieges. Sie sprechen mit den Vordenkern einer neuen atomaren Abschreckungslogik, analysieren das Netzwerk von Denkfabriken und Unternehmen, die sich ein Milliardengeschäft erhoffen.

Bitterer Kaffee

2001 wurden im Distrikt Mubende in Uganda 4.000 Menschen durch die Armee von ihrem Land vertrieben, um eine neue Plantage der Neumann Kaffee Gruppe aus Hamburg, weltweit führender Rohkaffee-Händler, anzulegen. Ugandischen Soldaten vertrieben die Menschen, die dort lebten  und ihren gesamten Besitz verloren. Jahrelang lebten sie in notdürftigen Behausungen nahe der Plantage. 2002 begannen sie, sich juristisch gegen die Vertreibung und den Raub ihres Landes zu wehren. Mit Unterstützung von Menschenrechtsorganisationen verklagten sie den ugandischen Staat und den Neumann-Konzern. Doch der Prozess wurde über Jahre verschleppt. Erst im März 2013 fällte der High Court ein erstes Urteil zu ihren Gunsten. Der Neumann-Konzern lehnt jedoch bis heute jegliche Mitverantwortung für die Vertreibung ab und ist daher auch nicht bereit, sich an einer Entschädigung zu beteiligen.
Auch der Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte der Vereinten Nationen in Genf beschäftigte sich 2015 mit dem Fall und forderte die ugandische Regierung ergebnislos auf, die Rechte der Vertriebenen wiederherzustellen. Als ein Richter im Juli 2019 eine außergerichtliche Schlichtung anordnete, schien die Chance auf eine Lösung des Konflikts gekommen. Aber auch diese Verhandlungen ziehen sich in die Länge. Inzwischen scheint das zermürbende Ringen um eine Entschädigung Wirkung zu zeigen: die Regierung legt ein Entschädigungsangebot auf den Tisch, aber Anfang 2020 sind die Vertriebenen uneins, wie sie darauf reagieren sollen. Die meisten Familien wollen es annehmen, andere jedoch weiter klagen. Sie bewerten das Angebot nach wie vor als zu gering für das erlittene Unrecht. Werden die Menschen auch fast zwei Jahrzehnte nach der Vertreibung weiter um ihr Recht kämpfen und auf eine Entschädigung warten müssen?

Chinese Dream

In der siebenteiligen Webserie steht die afrikanische Gemeinschaft im chinesischen Guangzhou im Mittelpunkt. Zum ersten Mal in der Geschichte wird China zu einem Immigrationsziel. Obwohl die Volksrepublik China durch Minderheiten keine homogene Gesellschaft darstellt, ist ein Einwanderungsprozess aus dem Ausland überraschend und neu. Aktuell wohnen bereits mehr als 300.000 AfrikanerInnen dauerhaft in China.

Die ProtagonistInnen der Webserie „Chinese Dream“ sind Chinesen, die im täglichen Kontakt mit der in China lebenden afrikanischen Gemeinde stehen. Sie kommen aus verschiedenen sozialen Schichten und Berufen und stellen einen Querschnitt durch die chinesische Gesellschaft dar.
Wie lernt China, als nicht Integrationsland, mit AusländerInnen umzugehen? Was sind die Tendenzen und die Perspektiven für die Zukunft?

Der marktgerechte Mensch

In einer Welt, die von Konkurrenz, Ausbeutung und uneingeschränkter Freiheit der Investoren getrieben ist, gibt es ein wesentliches Prinzip: „Race to the bottom“, der Wettbewerb um immer schlechtere Arbeitsbedingungen und niedrigere Löhne bei missachteter Menschenwürde. Der Film zeigt die neuen Arbeitsmodelle dieses Kapitalismus vom Essenslieferanten bis zum wissenschaftlichen Mitarbeiter in Deutschland. Über die Arbeitsbedingungen der Fahrer von osteuropäischen Subunternehmern in der LKW-Transportbranche bis zu Nobelketten der Textil- und Bekleidungsindustrie. Diese lassen ihre Produkte in Osteuropa von Arbeiterinnen fertigen, die 12 Stunden, 7 Tage die Woche Produkte im Akkord zusammennähen, für einen Lohn der fünffach unter dem Existenzminimum liegt. Und dennoch zieht die Karawane weiter dorthin, wo die Bedingungen für Investoren noch günstiger sind. Zum Beispiel Äthiopien: Dort verdienen die ArbeiterInnen 27 Dollar im Monat, das ist die Hälfte des Lohnniveaus von Bangladesch. Doch dieser Wahnsinn ist nicht alternativlos.

Die großen Irrtümer der Globalisierung

Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie die Globalisierung. Die einen verbinden mit ihr Wohlstand und ungeahnte Entfaltungsmöglichkeiten. Andere hingegen fürchten ökologischen Raubbau sowie eine zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich. Fest steht, dass die Globalisierung unser Leben verändert hat. Die Dokumentation wirft einen kritischen Blick auf die vielleicht wichtigste Triebkraft des 21. Jahrhunderts.

Yu Gong

In China erzählt man sich die Parabel vom närrischen Alten Yu Gong, dessen Weg von seinem Haus nach Süden durch zwei riesige Berge versperrt wurde. Er begann – wider alle Spöttereien – die Berge abzutragen, auf dass seine Kinder und Enkelkinder eines Tages sein Werk vollenden würden. Beeindruckt von dieser Zielstrebigkeit schickte der Himmelskaiser göttlichen Beistand und ließ die Berge forttragen. „Yu Gong versetzt Berge“ wurde zum geflügelten Wort und fand sogar Eingang in die Mao-Bibel. Unterschiedliche Variationen der Yu-Gong-Geschichte bilden die Leitschnur für diesen Reisefilm zu den Schauplätzen eines ähnlich gigantischen Vorhabens der Gegenwart. Auch der chinesische Staat und die chinesische Wirtschaft wollen den Weg nach Süden frei räumen, genauer in den globalen Süden, auf den afrikanischen Kontinent. Und diese Aufgabe ist nicht weniger ambitioniert als die des närrischen Alten. So sehen wir in Echtzeit, wie die ökonomische, politische und kulturelle Zukunft der Globalisierung ganz real Gestalt annimmt. Die prägenden Kräfte hinter diesen Prozessen sind heute nicht mehr Europa oder die USA. China und die afrikanischen Staaten geben längst den Takt vor. Daniel Kötter reiste für seinen Film zwischen 2014 und 2017 nach Äthiopien, Algerien, den Kongo, Mosambik, Nigeria, Sambia, Südafrika und Tansania, sowie nach China und Hongkong. Er dokumentiert wie beiläufig die vielschichtigen Verflechtungen zwischen China und Afrika und findet mannigfaltige Spuren einer immer umfassenderen Annäherung, dem Entstehen eines „Chinafrikas“. Nicht nur riesige Bauprojekte und die Ausdehnung chinesischer Infrastruktur- und Logistiknetze zeugen von einer neuen Weltordnung, auch im alltäglichen Miteinander durchdringen sich afrikanische und chinesische Traditionen.

Chinafrika.mobile

Der Film folgt dem Lebenszyklus eines Smartphones: Vom Schürfen der benötigten Rohstoffe in den Minen Kolwezis in der DR Kongo, über die Herstellung in chinesischen Fabriken im Perlfluss-Delta bis zum Gebrauch und Recycling in Lagos, Nigeria. Die Kamera der mobilen Geräte schickt seine Bilder auf die globale Reise und auf die Displays der Nutzer. Gefilmt wurde von Minenarbeitern, Fabrikarbeitern, Händlern und Müllsammlern an den Originalschauplätzen im Kongo, in China und Nigeria. Vier kurze Filme zeigen die Arbeit an dem Gerät, das unserer aller Alltag bestimmt.
China und Afrika sind die treibenden Kräfte der ökonomischen, politischen und kulturellen Zukunft der Globalisierung und das Smartphone ist das entscheidende Verbindungsglied. Seit 2013 befassen sich Jochen Becker und Daniel Kötter mit den kulturellen Auswirkungen der ökonomischen und politischen Verbindungen zwischen China und Afrika.

Oro Blanco

Trockenheit, weite Salzseen und raue Winde prägen das Gebirge im Nordwesten Argentiniens. Jeden Morgen zieht Flora mit ihren einhundert Lamas hinaus in die Berge, um Weideland zu finden. Doch die Tiere werden immer dünner, die Landschaft immer trockener. Die Hochebene der Salinas Grandes birgt eines der größten Lithiumvorkommen der Welt. Um es abzubauen wird das letzte Süßwasser der Wüste benötigt und dafür von Konzernen in riesige Becken gepumpt. So bedroht der Rohstoffhunger der Batterieindustrie die Hirten und die traditionelle Salzgewinnung der indigenen Kolla und Atacama. „Oro Blanco“ erzählt vom Leben und den Ängsten der Menschen, deren Lebensgrundlage langsam schwindet.