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1979: Urknall der Gegenwart

Das Jahr 1979 steht für eine Zeitenwende in Politik, Wirtschaft und Religion, die unser Leben bis heute prägt. Es ist der Beginn einer neuen Epoche: der Gegenwart. Die Regisseure Dirk van den Berg und Pascal Verroust blicken in ihrem Film zurück auf eines der ereignisreichsten Jahre des 20. Jahrhunderts und auf dessen wichtigste Protagonisten: Margaret Thatcher wird Premierministerin in Großbritannien, der chinesische Parteiführer Deng Xiaoping reist in die USA, Papst Johannes Paul II. besucht seine polnische Heimat und Ajatollah Chomeini kehrt aus dem französischen Exil zurück in den Iran.

Mekka 1979

Am 20. November 1979, um 05:30 Uhr morgens, übernehmen Hunderte schwer bewaffneter Männer die Große Moschee von Mekka. Die nächsten 15 Tage der Besetzung, Belagerung und Schlacht um das größte Heiligtum des Islam werden Hunderte, wenn nicht Tausende von Menschenleben kosten, Saudi-Arabien in seinen Grundfesten erschüttern, das globale Machtgleichgewicht an den Rand des Zusammenbruchs bringen und den Beginn eines religiös motivierten Terrorismus markieren. Und sie wurden bis heute unter einem Schleier fast völliger Geheimhaltung gehalten.

Regisseur Dirk van den Berg und sein internationales Team erhielten exklusiven Zugang zu Berichten aus erster Hand und zu nie zuvor gesehenen privaten Archiven aus arabischen, französischen und amerikanischen Militär-, Geheimdienst- und Zivilquellen. Augenzeugen erzählen von den erschütternden Tagen im November 1979.

„Mekka 1979“ vedichtet die komplizierten Verbindungen zwischen einem bis heute nahezu unbekannten Ereignis der jüngeren Geschichte und der Geburt des militanten Islamismus, der die Welt seitdem fest in seiner Gewalt hat.

Fortschritt im Tal der Ahnunglosen

30 Jahre nach dem Mauerfall wird in dem ehemals volkseigenen Betrieb „Fortschritt“ das Erbe der Deutschen Demokratischen Republik neu verhandelt. Wo früher Mähdrescher hergestellt wurden, wohnen jetzt Asylbewerber, die sich mit wöchentlichen, rassistischen Demonstrationen in Ostdeutschland konfrontiert sehen. Die syrischen Asylbewerber bekommen von ehemaligen Werksarbeitern Hilfe bei ihrem Deutsch-Orientierungskurs. Was mit einer humorvoll inszenierten Deutschklasse in der „Fortschritt“-Ruine beginnt, endet mit Schulstunden in Staatsbürgerkunde und einem GST-Militärlager. Getrieben von der persönlichen Befangenheit des Regisseurs, der in das Ende der DDR hineingeboren wurde, werden die Re-enactments dekonstruiert und die gesellschaftlichen Prägungen des DDR-Alltags sichtbar.

Archivmaterial knüpft das sozialistische Band der Freundschaft zwischen Syrien und der DDR neu, das die Staaten in den Achtzigerjahren miteinander verband. Der ortsansässige Heimatchor kommentiert in DDR- Liedern Anspruch und Wirklichkeit des ersten, deutschen Arbeiter- und Bauernstaates. Dabei steht alles und jeder für mehr als nur sich selbst. Die „Fortschritt“- Ruine wird zum Symbol einer verlorenen Heimat, das die Grenzen zwischen der DDR und Syrien, zwischen damals und heute verschwimmen lässt. Der Versuch einer Annäherung, eine sozialistische Utopie.

Kokolampy

Das Wort „Kokolampy“ steht in Madagaskar für unergründliche Phänomene und ist Titel des Films, in dem sich der Filmemacher auf die Spuren seines Großonkels Menko auf eine Exkursion um den Erdball bis hin zu der ostafrikanischen Insel begibt. Im Nachlass des Onkels, einem großen Geschichtenerzähler, der von Madagaskar als einem Wunderland voller Abenteuer berichtete, soll sich ein Ei des legendären Elefantenvogels, eines vermutlich erst im 15. Jahrhundert ausgestorbenen Dinosauriers, befunden haben. Die Suche nach dem Ei, das unter mysteriösen Umständen verschwand, bildet den roten Faden des Films. Eine aufwändige Recherche beginnt: in Kellern und Depots von Auktionshäusern, Archiven und Naturaliensammlungen, in die heimlichen Aktivitäten eines der größten Pharmakonzerne der Welt, in den Madagaskar-Plan der Nazis sowie in die überstürzte Abreise des Onkels von der Insel während der sozialistischen Revolution. Dabei erscheint Madagaskar als Hort potenter Wundermedizin, zoologischer Sensationen und unermesslichen Reichtums. Alles hat miteinander zu tun und deutet immer wieder auf große Geheimnisse im Süden der Insel hin. Der Film erzählt eine fantastische Geschichte, an deren Ende eine verblüffende Konfrontation des Filmemachers mit sich selbst und seinen eigenen Erwartungen steht.

HAYMATLOZ – Exil in der Türkei

Direkt nach der Machtergreifung durch die Nazis verloren rund ein Drittel der Professoren ihre Stellungen an deutschen Universitäten. Was die Wenigsten wissen ist, dass zahlreiche Intellektuelle, Juden und Antifaschisten in das unbekannte Exilland Türkei flüchteten. Staatsgründer Atatürk hatte die Deutschen eingeladen, an seiner ambitionierten Universitätsreform mitzuwirken. Der Film begleitet fünf Nachkommen der damals emigrierten Professoren, die in der Türkei geboren und aufgewachsen sind und untersucht dieses vergessene Kapitel deutsch-türkischer Geschichte, dessen Bedeutung bis in unsere Gegenwart reicht. An der Europäisierung der Türkei waren die renommierten Deutschen wesentlich beteiligt. Doch was ist von dem Kultur- und Wissenstransfer unter Premier Erdogan übrig geblieben und in einer Türkei, in der die Atatürkschen Reformen rückgängig gemacht und laizistische Strukturen aufgelöst werden?

100 Jahre Krieg in Nahost. Das Sykes-Picot-Geheimabkommen und seine fatalen Folgen

Während der Schlacht um Verdun, im Mai 1916, schlossen Frankreich und Großbritannien ein geheimes Abkommen, mit dem sie den Nahen Osten unter sich aufteilten. Noch waren die Gebiete der heutigen Staaten Syrien, Irak, Jordanien, Libanon und Israel unter osmanischer Herrschaft. Doch für die Zeit nach einem vorhersehbaren Sieg vereinbarten die westlichen Alliierten schon einmal die Verteilung des Territoriums. Auf britischer Seite verhandelte der konservative Unterhausabgeordnete Sir Mark Sykes. Für Frankreich saß der Diplomat Francois Georges-Picot am Verhandlungstisch. Sie zogen eine Linie von Acre am Mittelmeer bis nach Kirkuk im heutigen Irak. Südlich davon sollten die Briten herrschen, nördlich davon die Franzosen. Zunächst wurde das Abkommen geheim gehalten. Als sein Inhalt 1918 veröffentlicht wurde kam es zum politischen Aufruhr in der arabischen Welt, die sich bis dahin Unabhängigkeit erhofft hatte. Seitdem ist der Nahe Osten nicht mehr zur Ruhe gekommen. Natürlich haben auch der Zweite Weltkrieg, der Kalte Krieg, der Hass unter den arabischen Völkern und die Bedeutung der Ölvorkommen den Nahen Osten zu einem Pulverfass gemacht. Aber in der arabischen Politik wird auch heute noch Bezug auf Sykes-Picot genommen, selbst durch die Terroristen des sogenannten „Islamischen Staates“.