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Contradict

Zwei Freunde sammeln in den Straßen Accras Geld für Amerika: Spass, politische Provokation oder Prophezeiung? Zwei Schweizer Filmemacher gehen dieser Frage gemeinsam mit sechs Musikerinnen und Musikern aus Ghana auf den Grund: M3nsa, Wanlov The Kubolor, Adomaa, Worlasi, Akan, Mutombo Da Poet and Poetra Asantewa haben für „Contradict“ eigens neue Songs geschrieben und Videoclips produziert.
Die Ideen und Trends von morgen entstehen in einer globalisierten Welt dezentraler denn je: Wie sieht man also den Wertewandel unserer Zeit vom afrikanischen Kontinent aus? Wie will man ihm entgegentreten, widersprechen? Und können neue Visionen für die Zukunft neue globale Realitäten werden?
„Contradict“ zeigt diese neue Generation von Musikerinnen und Musikern, die auch die postkolonialen Kämpfe ihrer Eltern und Großeltern mit neuen Mitteln fortführt. Sie produziert dank neuer Software billig und verbreitet ihre Anliegen rasend schnell übers Internet. In ihrer Musik fordert sie eine neue Rolle für Afrika in der heutigen Welt, stärkt das Selbstbewusstsein der Frauen, bekämpft den Plastikwahn und lehrt ihre Altersgenossen Selbstakzeptanz, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Sie sinniert über alternative Lebensstile und neue Karrierewege und widerspricht den Mainstream-Auffassungen von Nachbarn, Ministerinnen und den omnipräsenten Priestern in den zahlreichen Megakirchen.
In der Zusammenarbeit mit den ghanaischen Künstlerinnen und Künstlern wird klar: Wer etwas verändern will, geht auf einem schmalen Grat zwischen Kreativität, Wut, Erschöpfung und Depression. „Contradict“ wird so zu einem dringlichen, humorvollen und fragilen Appell.

Türsteher Europas – Wie Afrika die Flüchtlinge stoppen soll

Mit Milliardensummen werden afrikanische Staaten als neue Grenzschützer etabliert. Entwicklungshilfe wird an die Bedingung geknüpft, dass nur Unterstützer der europäischen Migrationskontrolle Geld erhalten. Profiteure dieser Politik sind Rüstungs- und Sicherheitsfirmen. In zwölf Ländern erkundet der Film, wie Europa heute seine Grenzen durch Afrika zieht.
Als 2004 Flüchtlinge in Booten von Westafrika zu den Kanarischen Inseln fuhren, griff Spanien durch. Es zahlte Ländern wie Senegal viele Millionen Euro, um die Flüchtlinge zu stoppen. Seitdem riegelt die spanische Küstenwache die senegalesischen Strände ab, Tausende Kilometer von Europa entfernt. Dieses Prinzip kopiert die EU heute im großen Stil mit fast zwei Dutzend Ländern in Afrika. Der Deal lautet Entwicklungshilfe gegen Flüchtlingsstopp. Wer beim Kampf gegen irreguläre Migration als Türsteher der EU agiert, bekommt Geld. Europäische Polizisten und Soldaten werden in immer mehr Länder Afrikas geschickt, um den Grenzschutz zu verbessern. Auch Diktaturen wie Sudan und Eritrea werden so zu „Partnern“ Europas, um Fluchtrouten zu unterbrechen. Für europäische Sicherheits- und Rüstungskonzerne ist das Geschäft mit der Grenztechnologie ein neuer Absatzmarkt. Mit Hilfe von Entwicklungsgeldern investieren afrikanische Regierungen in Hochtechnologie „Made in Europe“, die sie sich ohne EU-Hilfe nicht leisten können. Kritik äußert die Afrikanische Union. Sie sieht ihre Pläne von einem Kontinent der Freizügigkeit ähnlich dem Schengen-Modell als unvereinbar mit den EU-Vorstellungen. Der Film untesucht unter anderem in Uganda, Niger und dem Sudan, wie die EU ihre Migrationspolitik in Afrika durchsetzt, wer davon profitiert und welchen Preis die Migranten dafür zahlen müssen.

Bleibt wo ihr seid

Fluchtursachen bekämpfen: kaum eine Devise ist zurzeit so oft in der politischen Debatte zu hören wie diese. Mouhamed Mbaye hat da einen ganz eigenen Weg gefunden. Der Senegalese, der seit ein paar Jahren in Berlin lebt, importiert nachhaltigen Fisch aus seinem Heimatland- und schafft damit Arbeitsplätze. „Wer seinen Lebensunterhalt verdienen kann, muss sein Land nicht verlassen“ sagt der Fischhändler aus Westafrika.
‚Bleibt wo ihr seid‘, das ist Mouhameds Aufruf an die Jugend im Senegal, aber das funktioniert nur, wenn es dort Perspektiven für junge Menschen gibt. Dazu will er einen Beitrag leisten.

Congo Calling

„Congo Calling“ erzählt die Geschichten von drei EntwicklungshelferInnen aus Europa, die im Herzen des Krisengebiets im Osten der Demokratischen Republik Kongo arbeiten. In diesen drei sehr persönlichen Geschichten hinterfragt „Congo Calling“ die scheinbar eindeutig verteilten Abhängigkeitsverhältnisse zwischen den einheimischen Hilfsempfängern und den ausländischen Helfern – und erzählt ganz nebenbei von der Liebe, vom Altern und der Suche nach dem richtigen Platz im Leben.

Der Irrsinn mit der Milch – global, billig, ruinös

Deutsche Agrarpolitiker haben die Milchbauern immer wieder ermuntert, weltweit neue Märkte zu erschließen. Auch gegen den Preisverfall schien es ein probates Heilmittel zu geben, indem die EU im Rahmen der so genannten Marktintervention in großen Mengen Milchpulver aufkauft und einlagert. Die Interventionsmenge wurde im Jahr 2016 auf 350.000 Tonnen erhöht, Milch, für die es in Europa keine Abnehmer gibt, aber in Afrika. Die Nachfrage nach Milchprodukten ist dort in den vergangenen zehn Jahren rapide gestiegen. In Kamerun hat die Milchschwemme aus Europa vielversprechende Ansätze eigener Milchwirtschaft im Keim erstickt. Molkereien, zum Teil aus europäischen Entwicklungshilfegeldern finanziert, stehen leer, weil die Bauern mit der Milch aus Europa nicht konkurrieren können. Die Lebensbedingungen in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara sollen jedoch verbessert werden, damit die Menschen nicht als Wirtschaftsflüchtlinge nach Europa kommen. Auf der Euro-Tier-Messe in Hannover erfährt man, dass Kälber in der modernen Landwirtschaft keine Milch mehr bekommen, sondern Ersatzstoffe aus dem umstrittenen Palmöl, denn für sie ist selbst die Billigmilch noch zu teuer. Für Landwirt Erwin Reinalter aus dem Allgäu gab es keinen Ausweg. 50 Cent für den Liter Milch hätten gereicht, um seinen Hof zu retten. Doch das hätte auch für den Verbraucher einen höheren Preis bedeutet.