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Zombies

Das mehrfach ausgezeichnete Musikvideo des belgisch-kongolesischen Rappers und Filmemachers Baloji ist eine provozierende Auseinandersetzung mit der aktuellen Kulturszene Kinshasas. Ein (fiktiver) Wahlkampf wird als Happening auf den Straßen der kongolesischen Hauptstadt inszeniert. Eine junge, mittlerweile weltweit bekannte und beachtete Künstlerszene spielt mit den Sozialen Medien und ironisiert die mit der Digitalisierung einhergehende Veränderung der zwischenmenschlichen Beziehungen als ‚Zombifizierung‘.

Eine Reise zwischen Hoffnung und Dystopie in einem halluzinierten Kinshasa.

Yu Gong

In China erzählt man sich die Parabel vom närrischen Alten Yu Gong, dessen Weg von seinem Haus nach Süden durch zwei riesige Berge versperrt wurde. Er begann – wider alle Spöttereien – die Berge abzutragen, auf dass seine Kinder und Enkelkinder eines Tages sein Werk vollenden würden. Beeindruckt von dieser Zielstrebigkeit schickte der Himmelskaiser göttlichen Beistand und ließ die Berge forttragen. „Yu Gong versetzt Berge“ wurde zum geflügelten Wort und fand sogar Eingang in die Mao-Bibel. Unterschiedliche Variationen der Yu-Gong-Geschichte bilden die Leitschnur für diesen Reisefilm zu den Schauplätzen eines ähnlich gigantischen Vorhabens der Gegenwart. Auch der chinesische Staat und die chinesische Wirtschaft wollen den Weg nach Süden frei räumen, genauer in den globalen Süden, auf den afrikanischen Kontinent. Und diese Aufgabe ist nicht weniger ambitioniert als die des närrischen Alten. So sehen wir in Echtzeit, wie die ökonomische, politische und kulturelle Zukunft der Globalisierung ganz real Gestalt annimmt. Die prägenden Kräfte hinter diesen Prozessen sind heute nicht mehr Europa oder die USA. China und die afrikanischen Staaten geben längst den Takt vor. Daniel Kötter reiste für seinen Film zwischen 2014 und 2017 nach Äthiopien, Algerien, den Kongo, Mosambik, Nigeria, Sambia, Südafrika und Tansania, sowie nach China und Hongkong. Er dokumentiert wie beiläufig die vielschichtigen Verflechtungen zwischen China und Afrika und findet mannigfaltige Spuren einer immer umfassenderen Annäherung, dem Entstehen eines „Chinafrikas“. Nicht nur riesige Bauprojekte und die Ausdehnung chinesischer Infrastruktur- und Logistiknetze zeugen von einer neuen Weltordnung, auch im alltäglichen Miteinander durchdringen sich afrikanische und chinesische Traditionen.

Algo-Rhythm

„Algo-Rhythm“ entstand aus der Kooperation der österreichischen Künstlerin Manu Luksch mit senegalesischen Rappern. Darin wird das westafrikanische Land zu einem Modellfall für künftige Auseinandersetzungen um politische Repräsentation und Willensbildung. Zwei Kandidatinnen um das Präsidentenamt stehen einem Mr. X von Data Analytica gegenüber, der Werbung für seine Methoden macht. Der Diskurs hat die Form eines Raps oder einer Rap Battle. Manu Luksch lässt eine politische Landschaft entstehen, zu der auch traditionelle Figuren (eine Griot-Frau) und das Volk gehören. Die Form des Austauschs ist gerhymte, von digital-synkopierten Beats vorangetriebene Sprache. Im Bildhintergrund wird dabei die ganze Zeit anschaulich, wovon die Rede ist: Mr. X, der Aladin der Datenanalyse, lässt die Wirklichkeit in Datenpunkte zerfallen. Manu Luksch spielt mit Luftaufnahmen und anderen Umgebungsbildern die Datenmanöver durch, die auf einer anderen Ebene auch mit den Netzwerken (mit der „Droge der Nation“) ablaufen: photogrammetrische und andere informationslogische Bildgenerierungsverfahren lösen die alte (politische) Welt der analogen Repräsentation durch Stimmabgabe und staatskörperliche Vertretung in eine Wolke der Auslesung auf. (Bert Rebhand, zitiert nach Sixpack-Film; Weltvertrieb)

Chinafrika.mobile

Der Film folgt dem Lebenszyklus eines Smartphones: Vom Schürfen der benötigten Rohstoffe in den Minen Kolwezis in der DR Kongo, über die Herstellung in chinesischen Fabriken im Perlfluss-Delta bis zum Gebrauch und Recycling in Lagos, Nigeria. Die Kamera der mobilen Geräte schickt seine Bilder auf die globale Reise und auf die Displays der Nutzer. Gefilmt wurde von Minenarbeitern, Fabrikarbeitern, Händlern und Müllsammlern an den Originalschauplätzen im Kongo, in China und Nigeria. Vier kurze Filme zeigen die Arbeit an dem Gerät, das unserer aller Alltag bestimmt.
China und Afrika sind die treibenden Kräfte der ökonomischen, politischen und kulturellen Zukunft der Globalisierung und das Smartphone ist das entscheidende Verbindungsglied. Seit 2013 befassen sich Jochen Becker und Daniel Kötter mit den kulturellen Auswirkungen der ökonomischen und politischen Verbindungen zwischen China und Afrika.