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Yu Gong

In China erzählt man sich die Parabel vom närrischen Alten Yu Gong, dessen Weg von seinem Haus nach Süden durch zwei riesige Berge versperrt wurde. Er begann – wider alle Spöttereien – die Berge abzutragen, auf dass seine Kinder und Enkelkinder eines Tages sein Werk vollenden würden. Beeindruckt von dieser Zielstrebigkeit schickte der Himmelskaiser göttlichen Beistand und ließ die Berge forttragen. „Yu Gong versetzt Berge“ wurde zum geflügelten Wort und fand sogar Eingang in die Mao-Bibel. Unterschiedliche Variationen der Yu-Gong-Geschichte bilden die Leitschnur für diesen Reisefilm zu den Schauplätzen eines ähnlich gigantischen Vorhabens der Gegenwart. Auch der chinesische Staat und die chinesische Wirtschaft wollen den Weg nach Süden frei räumen, genauer in den globalen Süden, auf den afrikanischen Kontinent. Und diese Aufgabe ist nicht weniger ambitioniert als die des närrischen Alten. So sehen wir in Echtzeit, wie die ökonomische, politische und kulturelle Zukunft der Globalisierung ganz real Gestalt annimmt. Die prägenden Kräfte hinter diesen Prozessen sind heute nicht mehr Europa oder die USA. China und die afrikanischen Staaten geben längst den Takt vor. Daniel Kötter reiste für seinen Film zwischen 2014 und 2017 nach Äthiopien, Algerien, den Kongo, Mosambik, Nigeria, Sambia, Südafrika und Tansania, sowie nach China und Hongkong. Er dokumentiert wie beiläufig die vielschichtigen Verflechtungen zwischen China und Afrika und findet mannigfaltige Spuren einer immer umfassenderen Annäherung, dem Entstehen eines „Chinafrikas“. Nicht nur riesige Bauprojekte und die Ausdehnung chinesischer Infrastruktur- und Logistiknetze zeugen von einer neuen Weltordnung, auch im alltäglichen Miteinander durchdringen sich afrikanische und chinesische Traditionen.

Fuck White Tears

„‚Fuck White Tears‘ ist ein Film über einen Film, den ich nicht machen kann, weil ich weiß bin“, so die Regisseurin über ihren Film. „Und über revolutionäre Studierende in Kapstadt. Ein selbstreflexiver Film, der versucht Grenzen zu überwinden“. Südafrika 2016: Die stärkste Volkswirtschaft Afrikas steckt in der Krise. Rassismus, Armut und Korruption sind auch gut 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid allgegenwärtig. Proteste erschüttern das Land, das Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela einst als Schmelztiegel der Kulturen, als „Regenbogennation“, in die Freiheit führen wollte. Annelie Boros, Studentin an der HFF München, stellt sich auch die Fragen, zu welchen radikalen Mitteln man greifen darf, um seine Ziele durchzusetzen. Wie kann Dekolonisierung in einem afrikanischen Land gelingen, das jahrhundertelang von Weißen beherrscht wurde? Und welche Rolle spielt sie selbst als weiße Regisseurin, die einen Film über eine radikale schwarze Befreiungsbewegung machen möchte, dabei?

Legacy Warnings!

Der Film ist eine emotionale Annäherung an die Themen Energiebedarf, Widerstand, Hoffnung und Herausforderungen bei dem Versuch, den afrikanischen Kontinent mit Energie zu versorgen. Die Warnungen über bereits vorhandene, radioaktive Hinterlassenschaften werden von denen, die neue Verträge über die Versorgung mit Kernenergie abschließen, überhört. Schätzungen nach ist bereits heute das Leben von über 2,5 Millionen Menschen in Südafrika durch die negativen Einflüsse der Uranabbaugebiete beeinträchtigt. Die Zahlen von Kindern, die in den Regionen um die Abbaugebiete mit Beeinträchtigungen geboren werden, sind alarmierend hoch, die Industrie entzieht sich jeglicher Verantwortung. Die südafrikanische Regierung verschließt ebenfalls die Augen und plant die zukünftige Investition in Atomanlagen und in weitere Uranminen. Sollte die südafrikanische Regierung diese Pläne umsetzen, werden weitere afrikanische Länder dem Beispiel folgen. Doch gibt es auf dem Kontinent ein wachsendes Widerstandsbündnis gegen die Pläne, neue Atomkraftwerke zu bauen oder weitere Uranabbaugebiete zu schaffen.