Neuigkeiten

Weltspiegelreportage: Im Wartesaal der Nordafrikaner

Natalia Bachmayer (ARD- Studio Madrid) hat mit ihrer Weltspiegel-Reportage Menschen Namen, Gesicht und Schicksal gegeben, vor denen es vielen Deutschen graust: Junge Nordafrikaner sind seit den massenhaften Überfällen auf Frauen in der Kölner Silvesternacht schlecht beleumundet. „Im Wartesaal der Nordafrikaner“ zeigt die Bedrängnis der jungen Männer und die Erwartungen ihrer Familien er beschreibt ihr Scheitern in Europa, aber auch gelegentliche Erfolge. Und er schildert Versuche und Möglichkeiten, im Heimatland etwas aus sich zu machen, in einem Land, in dem von Staats wegen für arme Menschen wenig getan wird. Die Dreharbeiten der Korrespondentin des Hessischen Rundfunks fanden unter widrigen Umständen statt: Die marokkanische Regierung versucht, das Flüchtlingsproblem nicht öffentlich werden zu lassen. Nachrichtendienste verfolgen Journalisten und Journalistinnen. Bei Dreharbeiten auf offener Straße tauchen ständig Polizeibeamte auf, die kontrollieren, verbieten und verhindern. Marokko will als moderner Staat und solider Partner Europas erscheinen. Da stört die Berichterstattung über arbeitslose junge Männer, die übers Mittelmeer drängen.

Als Paul über das Meer kam – Tagebuch einer Begegnung

Paul hat sich aus seiner Heimat Kamerun durch die Sahara bis an die Küste Marokkos durchgeschlagen, wo er in einem Wald lebt und auf seine Chance wartet, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Hier lernen sich Paul und der Berliner Filmemacher Jakob kennen, der entlang Europas Außengrenzen auf Recherche ist. Bald darauf gelingt es Paul, in einem Schlauchboot nach Spanien überzusetzen. Er überlebt – doch die Hälfte seiner Mitreisenden stirbt bei der tragischen zweitägigen Odyssee. Nach zwei Monaten in Abschiebehaft trifft er Jakob in einer spanischen Flüchtlingsunterkunft wieder. Als Paul beschließt, weiter nach Deutschland zu reisen, muss Jakob sich entscheiden: wird er Paul aktiv bei seinem Streben nach einem besseren Leben helfen oder bleibt er der beobachtende Filmemacher? Am Ende nimmt der Film eine Wendung, die weder Paul noch Jakob bei ihrem ersten Treffen im Wald in Marokko für möglich gehalten hätten.

Barca Ou Bassa – Barcelona oder Tod

Der Film analysiert die Hintergründe und Ursachen der Abwanderung von einer kleinen Insel vor der Küste Senegals. Afrikanische ExpertInnen und Aktivisten erläutern das Phänomen, warum immer mehr junge Menschen nicht nur die Insel, sondern das Land in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft verlassen. Dabei werden ökologische und wirtschaftliche Bedingungen ebenso erläutert wie die geopolitischen Zusammenhänge, die auch in der Langzeitstudie „Life – Saaraba – Illegal“ am Beispiel einer Familie von der Insel Niandor eine Rolle spielen und vor dem aktuellen Hintergrund der Abschottung Europas ihre Bedeutung entfalten.

Life – Saaraba – Illegal

„Saaraba“ – so wird in Westafrika das gelobte Land „Europa“ genannt. Über fast ein Jahrzehnt begleitet die Kamera Aladji und Souley, zwei Brüder von einer kleinen Fischerinsel im Atlantik vor der Küste Senegals. Der Ältere, Aladji, schaffte es vor zehn Jahren als Bootsflüchtling nach langer Odyssee bis in die Gemüseplantagen Spaniens, wo er als Illegaler lebt. Sein jüngere Bruder Souley träumte dennoch weiter von Europa und machte sich schließlich auf den Weg zu seinem Bruder. Sein Cousin und Coautor des Films Saliou Sarr, der in seiner Heimat als „Alibeta“ ein bekannter Musiker und Griot ist, folgt ihm den ganzen Fluchtweg von 3.000 Kilometern bis in den Norden Marokkos und will ihn zur Umkehr bewegen. Im Zentrum der filmischen Chronik stehen die Träume und Ziele, Erfahrungen und Schäden, die die beiden Brüder auf ihrem Weg in den verheißenen Kontinent Europa erfahren haben. Aber es geht auch um die Hilfe, die sie mit ihren bescheidenen Geldüberweisungen auf der kleinen Atlantikinsel leisten. Doch sind die Wege der Brüder illegal, ihre Hoffnungen und Träume wurden immer wieder enttäuscht. Eine Heimkehr als reicher und angesehener Mann ist erhofft – doch unwahrscheinlich. Doch die Eltern der beiden sind der Stolz auf die Ernte ihrer Flucht – die Söhne wurden zu privaten „Entwicklungshelfern“.