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Bleibt wo ihr seid

Fluchtursachen bekämpfen: kaum eine Devise ist zurzeit so oft in der politischen Debatte zu hören wie diese. Mouhamed Mbaye hat da einen ganz eigenen Weg gefunden. Der Senegalese, der seit ein paar Jahren in Berlin lebt, importiert nachhaltigen Fisch aus seinem Heimatland- und schafft damit Arbeitsplätze. „Wer seinen Lebensunterhalt verdienen kann, muss sein Land nicht verlassen“ sagt der Fischhändler aus Westafrika.
‚Bleibt wo ihr seid‘, das ist Mouhameds Aufruf an die Jugend im Senegal, aber das funktioniert nur, wenn es dort Perspektiven für junge Menschen gibt. Dazu will er einen Beitrag leisten.

Algo-Rhythm

„Algo-Rhythm“ entstand aus der Kooperation der österreichischen Künstlerin Manu Luksch mit senegalesischen Rappern. Darin wird das westafrikanische Land zu einem Modellfall für künftige Auseinandersetzungen um politische Repräsentation und Willensbildung. Zwei Kandidatinnen um das Präsidentenamt stehen einem Mr. X von Data Analytica gegenüber, der Werbung für seine Methoden macht. Der Diskurs hat die Form eines Raps oder einer Rap Battle. Manu Luksch lässt eine politische Landschaft entstehen, zu der auch traditionelle Figuren (eine Griot-Frau) und das Volk gehören. Die Form des Austauschs ist gerhymte, von digital-synkopierten Beats vorangetriebene Sprache. Im Bildhintergrund wird dabei die ganze Zeit anschaulich, wovon die Rede ist: Mr. X, der Aladin der Datenanalyse, lässt die Wirklichkeit in Datenpunkte zerfallen. Manu Luksch spielt mit Luftaufnahmen und anderen Umgebungsbildern die Datenmanöver durch, die auf einer anderen Ebene auch mit den Netzwerken (mit der „Droge der Nation“) ablaufen: photogrammetrische und andere informationslogische Bildgenerierungsverfahren lösen die alte (politische) Welt der analogen Repräsentation durch Stimmabgabe und staatskörperliche Vertretung in eine Wolke der Auslesung auf. (Bert Rebhand, zitiert nach Sixpack-Film; Weltvertrieb)

Barca Ou Bassa – Barcelona oder Tod

Der Film analysiert die Hintergründe und Ursachen der Abwanderung von einer kleinen Insel vor der Küste Senegals. Afrikanische ExpertInnen und Aktivisten erläutern das Phänomen, warum immer mehr junge Menschen nicht nur die Insel, sondern das Land in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft verlassen. Dabei werden ökologische und wirtschaftliche Bedingungen ebenso erläutert wie die geopolitischen Zusammenhänge, die auch in der Langzeitstudie „Life – Saaraba – Illegal“ am Beispiel einer Familie von der Insel Niandor eine Rolle spielen und vor dem aktuellen Hintergrund der Abschottung Europas ihre Bedeutung entfalten.

Flucht vor dem Klimawandel (planet e.)

Bei den aktuellen Diskussionen um die Flüchtlinge, bleibt die Flucht vor dem Klimawandel meist noch unbeachtet. Bernd Reufels hat im Senegal und in Bangladesch nachgeforscht, wie dort das veränderte Klima Lebensgrundlagen zerstört und Menschen zur Flucht treibt. In den kommenden Jahrzehnten rechnet die UN mit bis zu 350 Millionen Klimaflüchtlingen. Derzeit, so schätzen Hilfsorganisationen, sind mindestens 25 Millionen Menschen wegen Naturkatastrophen, Wüstenbildung und Verkarstung aus ihrer Heimat geflohen. Koko Warner von der UN-Universität Bonn trifft in Bangladesch Familien, die aus Überschwemmungsgebieten in die Slums der Hauptstadt gezogen sind. Sie haben es beson-ders schwer, da veränderte Umweltbedingungen nicht als Asylgrund akzeptiert werden. Überschwem-mungen bedrohen auch die Westküste Afrikas. Im Senegal verschwinden Dörfer und Felder im Meer. Offiziell gilt der Senegal als „sicheres Herkunftsland“. Doch sind die Küstengewässer leergefischt, da die senegalesische Regierung die Fischereirechte an europäische und japanische Firmen verkauft hat, die mit großen Trawlern auf Fangzug gehen. Riesige Ländereien werden von Regierungsseite an internationale Konzerne verpachtet, die dort für die Märk-te der Industrienationen Öl produzieren und dabei der Umgebung das Wasser entziehen. Kleinbauern sitzen dadurch auf ausgetrockneten Äckern und kämpfen um die letzten Brunnen. Oder sie verlassen den Senegal: 2014 flohen rund 1.000 Senegalesen nach Deutschland – 2015 werden es deutlich mehr sein.

Life – Saaraba – Illegal

„Saaraba“ – so wird in Westafrika das gelobte Land „Europa“ genannt. Über fast ein Jahrzehnt begleitet die Kamera Aladji und Souley, zwei Brüder von einer kleinen Fischerinsel im Atlantik vor der Küste Senegals. Der Ältere, Aladji, schaffte es vor zehn Jahren als Bootsflüchtling nach langer Odyssee bis in die Gemüseplantagen Spaniens, wo er als Illegaler lebt. Sein jüngere Bruder Souley träumte dennoch weiter von Europa und machte sich schließlich auf den Weg zu seinem Bruder. Sein Cousin und Coautor des Films Saliou Sarr, der in seiner Heimat als „Alibeta“ ein bekannter Musiker und Griot ist, folgt ihm den ganzen Fluchtweg von 3.000 Kilometern bis in den Norden Marokkos und will ihn zur Umkehr bewegen. Im Zentrum der filmischen Chronik stehen die Träume und Ziele, Erfahrungen und Schäden, die die beiden Brüder auf ihrem Weg in den verheißenen Kontinent Europa erfahren haben. Aber es geht auch um die Hilfe, die sie mit ihren bescheidenen Geldüberweisungen auf der kleinen Atlantikinsel leisten. Doch sind die Wege der Brüder illegal, ihre Hoffnungen und Träume wurden immer wieder enttäuscht. Eine Heimkehr als reicher und angesehener Mann ist erhofft – doch unwahrscheinlich. Doch die Eltern der beiden sind der Stolz auf die Ernte ihrer Flucht – die Söhne wurden zu privaten „Entwicklungshelfern“.