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In Vitro

In Vitro spielt nach einer Naturkatastrophe. Ein verlassener Kernreaktor unter der biblischen Stadt Bethlehem wurde in eine riesige Obstplantage umgewandelt. Mit alten Samen aus der Zeit vor der Apokalypse, bereitet eine Gruppe von WissenschaftlerInnen die Wiederbepflanzung der des oberirdischen Bodens vor. Im Krankenhausflügel der unterirdischen Anlage liegt die Gründerin der Obstplantage, die 70jährige Dunia, auf ihrem Sterbebett, als die 30jährige Alia sie besuchen kommt. Alia ist im Rahmen eines umfassenden Klon-Programms unterirdisch geboren und hat die Stadt, die sie wiederaufzubauen bestimmt ist, nie gesehen.

Die Rückkehrer

Den Ort Iqrit sucht man auf heutigen Landkarten vergebens. Bis 1948 war es ein prosperierendes christliches Dorf im Norden Galiläas. Dann kam der israelische Unabhängigkeitskrieg, den Palästinenser Naqba (Katastrophe) nennen, weil sie zu Hunderttausenden ihre Dörfer und Städte verlassen mussten. Iqrit ist eines dieser Dörfer. Bis heute dürfen die Bewohner nicht zurückkehren und ihr Dorf wieder aufbauen, obwohl es mehrere Gerichtsentscheide gibt, die ihnen genau das zugestehen. Gottesdienste feiern ist ihnen jedoch erlaubt, und so pilgern an hohen Feiertagen hunderte Gläubige in die marode Kirche, die als einziges Gebäude des Dorfes nicht zerstört wurde.

Milliarden für den Stillstand

In den vergangenen 22 Jahren, seit den beiden Osloabkommen von 1993 und 1995, sind über 25 Milliarden US-Dollar in die besetzten palästinensischen Gebiete geflossen – das zählt zu den höchsten Pro-Kopf-Hilfe-Einkommen weltweit. Traditionell größter Geber ist die EU. Ihr Zweck ist der Aufbau eines unabhängigen demokratischen Staates Palästina, der Seite an Seite und in Frieden mit Israel existiert, dauerhafter Frieden und nachhaltige sozio-ökonomische Entwicklung. Die Bilanz nach 22 Jahren ist vernichtend. Ein Staat Palästina ist ferner denn je und die Situation in den besetzten Gebieten in vielerlei Hinsicht schlechter als vor den Osloabkommen. Die Hälfte der Bevölkerung lebt in Armut, die Arbeitslosigkeit im Westjordanland liegt bei 17%, im Gazastreifen gar bei 43%, die höchste weltweit. Nur 18% des Westjordanlandes stehen heute unter alleiniger palästinensischer Kontrolle, die den Palästinensern zur Verfügung stehenden Wasserressourcen sind heute geringer als vor Oslo. Trotz der Milliarden an Gebergeldern, die in den Wassersektor geflossen sind. Nach 22 Jahren ist die Besatzung nicht beendet, sondern verhärtet, und das nicht trotz, sondern mit Hilfe der Geber, sagen Kritiker. Der Film untersucht Geberpolitik und Hilfsprojekte und fragt nach der Rolle der EU im Nahen Osten. „Payer, no player“, Geldgeber, aber kein politischer Akteur, das ist mittlerweile ein geflügeltes Wort in den besetzten palästinensischen Gebieten, auch innerhalb diplomatischer Kreise. „Setzt der europäischen Heuchelei ein Ende“, fordert der ehemalige EU-Sonderbeauftragte für den Nah-Ost-Friedensprozess, Miguel Ángel Moratinos. Ansonsten haben wir sehr bald die große Chance auf Frieden verpasst.