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Die Rückkehrer

Den Ort Iqrit sucht man auf heutigen Landkarten vergebens. Bis 1948 war es ein prosperierendes christliches Dorf im Norden Galiläas. Dann kam der israelische Unabhängigkeitskrieg, den Palästinenser Naqba (Katastrophe) nennen, weil sie zu Hunderttausenden ihre Dörfer und Städte verlassen mussten. Iqrit ist eines dieser Dörfer. Bis heute dürfen die Bewohner nicht zurückkehren und ihr Dorf wieder aufbauen, obwohl es mehrere Gerichtsentscheide gibt, die ihnen genau das zugestehen. Gottesdienste feiern ist ihnen jedoch erlaubt, und so pilgern an hohen Feiertagen hunderte Gläubige in die marode Kirche, die als einziges Gebäude des Dorfes nicht zerstört wurde.

100 Jahre Krieg in Nahost. Das Sykes-Picot-Geheimabkommen und seine fatalen Folgen

Während der Schlacht um Verdun, im Mai 1916, schlossen Frankreich und Großbritannien ein geheimes Abkommen, mit dem sie den Nahen Osten unter sich aufteilten. Noch waren die Gebiete der heutigen Staaten Syrien, Irak, Jordanien, Libanon und Israel unter osmanischer Herrschaft. Doch für die Zeit nach einem vorhersehbaren Sieg vereinbarten die westlichen Alliierten schon einmal die Verteilung des Territoriums. Auf britischer Seite verhandelte der konservative Unterhausabgeordnete Sir Mark Sykes. Für Frankreich saß der Diplomat Francois Georges-Picot am Verhandlungstisch. Sie zogen eine Linie von Acre am Mittelmeer bis nach Kirkuk im heutigen Irak. Südlich davon sollten die Briten herrschen, nördlich davon die Franzosen. Zunächst wurde das Abkommen geheim gehalten. Als sein Inhalt 1918 veröffentlicht wurde kam es zum politischen Aufruhr in der arabischen Welt, die sich bis dahin Unabhängigkeit erhofft hatte. Seitdem ist der Nahe Osten nicht mehr zur Ruhe gekommen. Natürlich haben auch der Zweite Weltkrieg, der Kalte Krieg, der Hass unter den arabischen Völkern und die Bedeutung der Ölvorkommen den Nahen Osten zu einem Pulverfass gemacht. Aber in der arabischen Politik wird auch heute noch Bezug auf Sykes-Picot genommen, selbst durch die Terroristen des sogenannten „Islamischen Staates“.

Milliarden für den Stillstand

In den vergangenen 22 Jahren, seit den beiden Osloabkommen von 1993 und 1995, sind über 25 Milliarden US-Dollar in die besetzten palästinensischen Gebiete geflossen – das zählt zu den höchsten Pro-Kopf-Hilfe-Einkommen weltweit. Traditionell größter Geber ist die EU. Ihr Zweck ist der Aufbau eines unabhängigen demokratischen Staates Palästina, der Seite an Seite und in Frieden mit Israel existiert, dauerhafter Frieden und nachhaltige sozio-ökonomische Entwicklung. Die Bilanz nach 22 Jahren ist vernichtend. Ein Staat Palästina ist ferner denn je und die Situation in den besetzten Gebieten in vielerlei Hinsicht schlechter als vor den Osloabkommen. Die Hälfte der Bevölkerung lebt in Armut, die Arbeitslosigkeit im Westjordanland liegt bei 17%, im Gazastreifen gar bei 43%, die höchste weltweit. Nur 18% des Westjordanlandes stehen heute unter alleiniger palästinensischer Kontrolle, die den Palästinensern zur Verfügung stehenden Wasserressourcen sind heute geringer als vor Oslo. Trotz der Milliarden an Gebergeldern, die in den Wassersektor geflossen sind. Nach 22 Jahren ist die Besatzung nicht beendet, sondern verhärtet, und das nicht trotz, sondern mit Hilfe der Geber, sagen Kritiker. Der Film untersucht Geberpolitik und Hilfsprojekte und fragt nach der Rolle der EU im Nahen Osten. „Payer, no player“, Geldgeber, aber kein politischer Akteur, das ist mittlerweile ein geflügeltes Wort in den besetzten palästinensischen Gebieten, auch innerhalb diplomatischer Kreise. „Setzt der europäischen Heuchelei ein Ende“, fordert der ehemalige EU-Sonderbeauftragte für den Nah-Ost-Friedensprozess, Miguel Ángel Moratinos. Ansonsten haben wir sehr bald die große Chance auf Frieden verpasst.