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Amazoniens Fliegende Flüsse

Der Regenwald Amazoniens ist nicht nur die grüne Lunge der Erde weil er Kohlendioxid aus der Luft aufnimmt, es speichert und in Sauerstoff umwandelt, er ist auch ihre Klimaanlage: intakte Wälder saugen Regenwolken vom Atlantik an und verdunsten Wasser. Dadurch kühlen sie die Erde. Ohne Wald kein Wasser: Wenn immer mehr Wald verschwindet, kann dieses Phänomen der ‚Fliegenden Flüsse‘, das wie eine gigantische Wasserpumpe wirkt, nicht mehr funktionieren. WissenschaftlerInnen, Politiker und Umweltaktivisten erklären das fragile Gleichgewicht. Agroforstmethoden können helfen, den Wald zu bewahren und ihn nachhaltig zu bewirtschaften.

Saudade

Eine alte brasilianische Sage besagt, dass “Saudade” von den afrikanischen Göttern erfunden wurde, damit die versklavten Menschen nicht vergessen, woher sie kommen und wer sie sind. Durch die schwere Krankheit ihres Vaters erforscht die afro-brasilianische Regisseurin Denize Galiao ihre tiefsten Gefühle für ihre Herkunft und Wurzeln, welche sie nach über 20 Jahren in Deutschland nicht verlieren will. Das Wort Saudade, welches in anderen Sprachen keine genaue Übersetzung findet, ist der rote Faden einer Familiengeschichte, die zwischen zwei Kulturen lebt.

Zona Norte

2001 hat Regisseurin Monika Treut die Menschenrechtlerin Yvonne Bezerra de Mello porträtiert, die sich um Straßenkinder in Rio kümmert. Nach 15 Jahren fragt sie, was aus den Kindern von damals geworden ist und wie es um das Projekt steht. 15 Jahre nach ihrem Film „Kriegerin des Lichts“ hat sich vieles verändert, vor allem die Stadt Rio ist nicht mehr wiederzuerkennen. Die Fußball-WM 2014 und die Vorbereitungen auf die Olympischen Sommerspiele 2016 haben ihre Spuren hinterlassen. Der den Mega-Sportereignissen geschuldete, extreme Militäreinsatz gegen die Bewohner der Favelas hat bürgerkriegsähnliche Zustände provoziert. Fast täglich eskaliert die Gewalt. Der damals 13-jährige Tiago hatte als Sechsjähriger das Candelaria-Massaker überlebt, bei dem acht Straßenkinder brutal von der Polizei ermordet wurden. Der HIV-positive Junge trug als Schuhputzer zum Unterhalt seiner zehnköpfigen Familie bei und träumte davon, Automechaniker zu werden. Vanessa, ein begabtes, lernbegieriges Mädchen, sehnte sich nach einem Leben ohne Leid und hoffte, später Anthropologin zu werden. Die Schwestern Pamela, Joice und Gessica erfuhren nur in Yvonne Bezerra de Mellos sicherem Haus, dass das Leben nicht nur aus Gewalt, Drogen und Vernachlässigung besteht. Die Kinder von damals sind heute junge Erwachsene. Sie sind Beweis dafür, dass eine alternative Pädagogik langfristig den Teufelskreis von Armut und Gewalt zu durchbrechen vermag. Aus der langjährigen Arbeit hat Yvonne Bezerra de Mello mittlerweile eine neue Pädagogik entwickelt, die durch Gewalt und Krieg traumatisierten Kindern weltweit helfen kann, ihre Erfahrungen und die daraus resultierenden Lernprobleme zu überwinden.

Drogen kann man nicht erschießen

Nachdem der damalige US-Präsident Richard Nixon 1971 den Drogenmissbrauch als Staatsfeind Nummer eins erklärte, begann ein weltweiter Krieg gegen die Drogen. Der Krieg wurde dort geführt, wo die Rohstoffe wachsen, in Lateinamerika zum Beispiel, und nicht dort, wo das Drogenproblem besteht, hauptsächlich in Europa und den USA. Doch Drogen sind erhältlich wie eh und je, und billiger als je zuvor. In den Transitländern des Drogenschmuggels und auf den großen Märkten in den USA und Brasilien gibt es die meisten Tötungsdelikte. 47 der 50 gefährlichsten Städte der Welt liegen dort. Die Länder in Lateinamerika sind es leid, den Preis für ein Problem zu bezahlen, das nicht ihres ist. Deshalb hat die UN-Generalversammlung ab dem 19.04.2016 eine Sondersitzung zum weltweiten Drogenproblem in New York einberufen. In Deutschland und Frankreich mehren sich die Stimmen, die die vorwiegend repressive Politik in Frage stellen. Die ehemalige Schweizer Bundespräsidentin Ruth Dreifuss, Mitglied der Weltkommission für Drogenpolitik, der auch der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan angehört, sagt, erklärtes Ziel sei, den Schwarzmarkt nicht nur einzudämmen, sondern auszutrocknen. Der Film zeigt die neuen Wege aus dem Drogenkrieg und wurde in zehn Ländern gedreht: Großbritannien, Portugal, Spanien, Frankreich, Deutschland, Schweiz, USA, Kolumbien, Bolivien und Mexiko.

Dirty Gold War

Woher stammt das Gold, welches in den Auslagen der Bijouterien glänzt, uns schmückt oder in den Tresoren der Banken lagert? Unter welchen Bedingungen wurde es abgebaut? Mit welchen Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung und die Umwelt? Der Ursprung des zu einem großen Teil in der Schweiz verarbeiteten Goldes ist oft unklar. Der Film gewährt einen Blick hinter die Kulissen des überaus gewinnträchtigen Wirtschaftszweigs der Goldindustrie. An Beispielen aus Brasilien und Peru werden die problematische Menschenrechtssituation und die hohe Umweltbelastung beim Abbau des Goldes dokumentiert, das anschließend in den Luxusgeschäften der ganzen Welt landet.

Die Spur der weißen Elefanten

Der Sportökonom Andrew Zimbalist aus Massachusetts, USA, war Teil der Bewegung, die dazu führte, dass die Bevölkerung Bostons eine Bewerbung ihrer Stadt für die Olympischen Sommerspiele 2024 ablehnte. In seinem Buch „Circus Maximus“ spricht er von „weißen Elefanten“, die überall entstehen, wo Spiele abgehalten werden. Elefanten mit fast weißer Haut waren im alten Siam besonders wertvolle Geschenke, sie durften aber nicht zur Arbeit benutzt werden, so dass nur sehr reiche Menschen sie sich leisten konnten. In der Welt des Sports sind „weiße Elefanten“ nutzlose Großprojekte wie Stadien, die nur einmal gebraucht werden und danach ungenutzt herumstehen und die Steuerzahler des jeweiligen Landes viel Geld kosten. Der Film begibt sich auf Spurensuche, zum Beispiel in Athen. Dort fanden 2004 Olympische Sommerspiele statt. Zwölf Jahre danach stehen dort Ruinen, deren Unterhalt der griechische Staat längst nicht mehr garantieren kann und privaten Investoren überlassen hat. In Rio de Janeiro steht die Schwimmhalle der Panamerikanischen Spiele von 2014 leer, weil der internationale Schwimmsportverband eine neue Arena für Rio 2016 gefordert hat. Außerdem ist in Brasilien auf Schritt und Tritt der übermächtige Fußball zu spüren. Brasilianische Leichtathleten müssen in weit entlegenen Sportstätten trainieren, weil aus dem früheren Leichtathletik-Stadion Célio de Barros ein VIP-Parkplatz für das nebenan stehende Maracanã-Stadion gemacht wurde. Paris, das sich für die Sommerspiele 2024 bewirbt, will beweisen, dass die Abkehr vom Gigantismus vergangener Spiele gelingen kann. Im September 2017 fällt das IOC die Entscheidung, wo die Olympischen Sommerspiele 2024 stattfinden werden.

Das Geschäft mit der Armut – Wie Lebensmittelkonzerne neue Märkte erobern

Am Beispiel von zwei völlig unterschiedlichen Regionen in Brasilien und Kenia wird deutlich, wie Großkonzerne auf Kosten der Gesundheit Kasse machen. In Europa und Nordamerika verzeichnen Lebensmittelkonzerne kaum noch Wachstum. Deshalb haben die großen Hersteller ihren Fokus auf neue Märkte in Schwellen- und Entwicklungsländern gelegt. Dort verkaufen die multinationalen Konzerne kleine Packungen mit großen Gewinnen. Sie versprechen gesunde Markenqualität für jedermann und bieten überwiegend Fertigprodukte mit viel Salz, Zucker und Geschmacksverstärkern an. Die Folgen sind Übergewicht und Diabetes, und das in Gesellschaften, die durch Armut und Mangelernährung ohnehin vorbelastet sind. Für viele Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern ist Convenience Food made in Europe ein Statussymbol. In Brasilien und Kenia machen sich multinationale Konzerne das zunutze, indem sie gezielt die Armen ansprechen. In Mini-Packungen, sogenannten PPPs – popularly positioned products – werden Markenprodukte zu Cent-Beträgen verkauft. In Schulungen werden Frauen aus Slum-Gebieten dazu ausgebildet, die Produkte in ihrem privaten Umfeld zu vertreiben. Begehrte Jobs für die meist ungelernten Frauen, die sich darum reißen, für internationale Lebensmittelkonzerne zu arbeiten. Auch das ist Konzernpolitik, scheinbar soziale Verantwortung dort zu übernehmen, wo der Staat es nicht tut. Für Kritiker wie Dr. Carlos Monteiro, Professor für Ernährung und Gesundheit an der Universität São Paulo, ein Widerspruch: ungesunde Produkte in Massen an die Menschen zu bringen und sich gleichzeitig als Wohltäter zu präsentieren, das sei Greenwashing auf Kosten der Ärmsten.

Ausgepresst – Brasiliens Arbeiter in der Orangensaftindustrie

90 Prozent des Orangensafts, der in Europa getrunken wird, kommt aus Brasilien. Enormer Preisdruck am Anfang der Produktionskette, auf den Plantagen und bei den Erntearbeitern, machen den Fruchtsaft für uns KonsumentInnen so billig. Um sich für die Reportage ein Bild von den prekären Arbeitsverhältnissen rund um Brasiliens Orangensaftindustrie zu machen, reiste die Autorin im Sommer 2016 in die Gegend rund um Sao Paolo und begleitete mehrere Tage lang Mitarbeiter des Arbeitsinspektorats auf ihren Kontrollgängen.