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Kai the Vendor

Nachdem der elfjährige Kai mit seiner alleinstehenden Mutter in ein anderes Armenviertel der ugandischen Hauptstadt Kampala gezogen ist, versucht er, sein Schulgeld durch den Verkauf kleiner Snacks zu verdienen. Doch immer wieder trifft er auf Leute, die ihn in Schwierigkeiten bringen und sein Ziel, auf ehrliche Weise Geld zu verdienen, in Frage stellen. Der Film zeigt, wie schwierig es für Kai ist, in die Schule zu gehen und macht an den vielen Herausforderungen, denen Kai ausgesetzt ist, deutlich, welche Anstrengungen es erfordert, ein Leben in Würde zu führen.

Zwischen Verehrung und Verachtung-Frankreich und seine Équipe Tricolore

Am 12. Juli 1998 köpft Zinedine Zidane Frankreich ins Glück. Für die Grande Nation wird die Nationalmannschaft zum Symbol geglückter Integration. Doch davon ist heute nur wenig übrig. Wie geht das Land heute mit einer Mannschaft um, deren Spieler zum Großteil Migrationshintergrund haben und in dem die rechte Partei Front National gleichzeitig zu einer fast mehrheitsfähigen politischen Strömung geworden ist? Der Autor trifft ehemalige und aktuelle Spieler, Lilian Thuram und Bixente Lizarazu zum Beispiel. Heute engagiert sich Thuram gegen Rassismus und ist Mitglied im Integrationsrat der französischen Regierung. Inzwischen, erzählt Thuram, gilt die Nationalmannschaft nicht mehr als Vor-, sondern als Spiegelbild einer in sich völlig zerrissenen Gesellschaft. Über sie werde in einem Ausmaß öffentlich debattiert und gestritten, wie es in Deutschland kaum vorstellbar sei. Nach den Skandalen und dem frühen WM-Aus 2010 in Südafrika wurden die Spieler öffentlich beschimpft. Der damalige Staatspräsident Nicolas Sarkozy sorgte sich um die „nationale Identität“ der Nationalmannschaft. Marine Le Pen, Chefin der Partei Front National, ging noch einen Schritt weiter: Sie erkenne sich in der Nationalmannschaft nicht wieder, die meisten Spieler trügen „eine andere Nation im Herzen“. Die Einheit war zerbrochen. In der öffentlichen Wahrnehmung gab es „richtige“ Franzosen und „falsche“. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Im Gegenteil, die französische Nationalmannschaft „L’Équipe tricolore“ ist Spielball einer aufgeheizten Debatte, die seit den verheerenden Anschlägen in Paris nochmal an Schärfe gewonnen hat.

Zwischen Äppelwoi & Döner – Türkische Lebensart in Offenbach (Mein Land, Dein Land)

Offenbach gilt als sozialer Brennpunkt. Die Arbeitslosenquote beträgt 11,3 Prozent, mehr als das Doppelte des hessischen Durchschnitts. Von rund 130.000 Einwohnern haben fast 60 Prozent einen Migrationshintergrund, 14.000 einen türkischen. Alle behaupten, die Ausländer seien das Problem – natürlich immer die anderen Ausländer: Die Türken klagen über die Araber, die Kurden über die Kroaten. Und gemeinsam schimpfen sie über die Bulgaren und Rumänen. Rund um den Marktplatz hat sich das „Türkenviertel“ gebildet. Wie leben Türken der ersten, zweiten und dritten Generation in Deutschland? Sind sie integriert? Wollen sie sich integrieren? Und was bedeutet es eigentlich, integriert zu sein? Muhsin Senol lebt seit 1980 in Offenbach. Er ist erfolgreicher Steuerberater, sein Vater kam in den 70er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland und gilt als eine Autoritätsfigur in der muslimischen Gemeinde. Die Familie repräsentiert drei Generationen deutscher Türken. Der 18-jährige Onur ist Azubi im Supermarkt und träumt von einer Karriere im Fußball. Das Modegeschäft Gigi bietet Hochzeitskleider, Ballkleider, Schuhe und Handtaschen für alle Gelegenheiten. Auch die Pflege der Alten betreibt in Offenbach ein türkischer Pflegedienst. Dies sind nur einige von vielen Beispielen türkischen Lebens, das man in der hessischen Stadt komplett unter seinesgleichen führen kann. Vom Lebensmitteleinkauf bis zur Shisha-Bar, vom Beschneidungsritual bis zum Freitagsgebet zeigt der Film einen Ausschnitt der Einwanderungskultur in Deutschland.

Zwischen Abkehr und Minztee – Klein-Marokko am Rhein (Mein Land ,Dein Land)

Der Besitzer des marokkanischen Einrichtungshauses „Tisir“ lebt mit seiner Familie in zweiter Generation in Deutschland. Seine Kundschaft kommt aus der ganzen Republik. Aberkane will den Marokkanern „ein Stück Heimat in die Wohnzimmer bringen“. Die Ellerstraße in Düsseldorf-Oberbilk und die dazugehörigen Seitenstraßen bilden das so genannte Maghrebinische Viertel. Dort finden sich marokkanische Bäcker, ein Konditor, Supermärkte, Shisha-Bars und Möbelläden. Düsseldorf hat die zweitgrößte marokkanische Community in Deutschland. Eine kleine Gemeinde von rund 5.000 Menschen, die selbst oder deren Vorfahren vorwiegend aus Nord-Marokko, aus Nador, stammen. Sie wurden als Gastarbeiter für die deutsche Industrie angeworben und sind geblieben, wie so viele andere Gastarbeiter auch. Wären nicht die Übergriffe von Köln in der Silvesternacht und das „Projekt Casablanca“ der Düsseldorfer Polizei gewesen, die marokkanische Gemeinde hätte ihr Leben abseits der Öffentlichkeit weiterführen können. Aber seither lebt das Viertel im Scheinwerferlicht und dagegen wehren sich seine Bewohner.

Zona Norte

2001 hat Regisseurin Monika Treut die Menschenrechtlerin Yvonne Bezerra de Mello porträtiert, die sich um Straßenkinder in Rio kümmert. Nach 15 Jahren fragt sie, was aus den Kindern von damals geworden ist und wie es um das Projekt steht. 15 Jahre nach ihrem Film „Kriegerin des Lichts“ hat sich vieles verändert, vor allem die Stadt Rio ist nicht mehr wiederzuerkennen. Die Fußball-WM 2014 und die Vorbereitungen auf die Olympischen Sommerspiele 2016 haben ihre Spuren hinterlassen. Der den Mega-Sportereignissen geschuldete, extreme Militäreinsatz gegen die Bewohner der Favelas hat bürgerkriegsähnliche Zustände provoziert. Fast täglich eskaliert die Gewalt. Der damals 13-jährige Tiago hatte als Sechsjähriger das Candelaria-Massaker überlebt, bei dem acht Straßenkinder brutal von der Polizei ermordet wurden. Der HIV-positive Junge trug als Schuhputzer zum Unterhalt seiner zehnköpfigen Familie bei und träumte davon, Automechaniker zu werden. Vanessa, ein begabtes, lernbegieriges Mädchen, sehnte sich nach einem Leben ohne Leid und hoffte, später Anthropologin zu werden. Die Schwestern Pamela, Joice und Gessica erfuhren nur in Yvonne Bezerra de Mellos sicherem Haus, dass das Leben nicht nur aus Gewalt, Drogen und Vernachlässigung besteht. Die Kinder von damals sind heute junge Erwachsene. Sie sind Beweis dafür, dass eine alternative Pädagogik langfristig den Teufelskreis von Armut und Gewalt zu durchbrechen vermag. Aus der langjährigen Arbeit hat Yvonne Bezerra de Mello mittlerweile eine neue Pädagogik entwickelt, die durch Gewalt und Krieg traumatisierten Kindern weltweit helfen kann, ihre Erfahrungen und die daraus resultierenden Lernprobleme zu überwinden.

What the Wind Took Away

Obwohl viele jesidische Frauen alles verloren haben, sind sie noch am Leben. Nachdem sie aus ihrer Heimat vertrieben wurden, fanden sie Aufnahme in einem Flüchtlingslager in der Türkei – gefangen zwischen der Radikalität des IS und ihrem Wunsch, nach Europa zu gehen. Der Film begleitet zwei Frauen in ihrem Alltag im Flüchtlingslager und ihren unermüdlichen Versuchen, trotz des Verlustes der Heimat, der Sorge um die Zukunft und der Angst um Verwandte und Nachbarn, ein menschenwürdiges Leben für sich und ihre Familien zu gestalten. Aus den Nachbarinnen werden bald vertraute Freundinnen, die Einblick in ihre persönlichen Erfahrungen gewähren.

Vom Töten leben

Wie leben Menschen in einer Stadt, in der viele ihrer Bewohner seit Generationen Kriegswaffen herstellen? In Oberndorf am Neckar, der 14.000-Einwohner-Stadt am Ostrand des Schwarzwalds gelegen, sind in den Rüstungsbetrieben Mauser (jetzt Rheinmetall) und Heckler & Koch in den letzten Jahren zwar viele Arbeitsplätze verloren gegangen und die Bundeswehr möchte das G36 aus technischen Gründen ausmustern, doch noch immer schätzen Militärs und Terroristen weltweit die beiden Sturmgewehre G3 und G36. Seit der König von Württemberg 1812 im ehemaligen Augustinerkloster eine Gewehrfabrik einrichten ließ haben Millionen Menschen durch Waffen aus Oberndorf ihr Leben verloren – durchschnittlich alle 15 Minuten kommt nach Schätzungen von Friedensgruppen einer hinzu. Wie stehen die Menschen dieser Stadt zu diesen Tatsachen? Wie denken die Bürger? Was gibt es für Initiativen, die sich mit dieser Problematik auseinandersetzen? Unter dem Titel „Der Tod, die Waffen, das Schweigen – Das Oberndorf Syndrom“ liegt eine 60-Minuten-Fassung des Films vor.

Vietnam: Longh Thanh will lachen

Long Thanh ist 15 Jahre alt und Opfer eines Krieges, der vor 40 Jahren endete. Durch Agent Orange, das chemische Entlaubungsmittel, das die Amerikaner im Vietnamkrieg massenhaft über dem Dschungel Vietnams versprüht haben, wurden er und sein Bruder mit schweren körperlichen Schäden geboren. Drei Millionen Vietnamesen sind an den Folgen von Agent Orange erkrankt. 150.000 Kinder wurden seit Kriegsende mit schwersten Behinderungen geboren. Jahrelang hat Vietnam um Hilfe gebeten. Die USA haben stets vertröstet, geleugnet, gezweifelt, abgestritten. Bis heute will die amerikanische Regierung keinen direkten Zusammen zwischen Agent Orange und den behinderten Kindern sehen. Longh Tan und sein Bruder brauchen Pflege rund um die Uhr. Sie können sich nicht alleine anziehen, nicht selber essen. Sie können auch nicht in die Schule gehen.

Urmila – für die Freiheit

Der Film erzählt die hoffnungsvolle Geschichte einer jungen Frau, die um Freiheit, Gerechtigkeit und eine Perspektive für junge Mädchen in Nepal kämpft. Urmila Chaudhary lebt im Süden Nepals und ist sechs Jahre alt, als sie von ihren Eltern als Kamalari, als Haushaltssklavin, in die Hauptstadt verkauft wird. Erst zwölf Jahre später gelingt ihre Befreiung. Mit der eigenen Freiheit gibt sich Urmila nicht zufrieden, aus dem Erlebten zieht sie die Kraft, die sie für andere Mädchen in ihrem Land nutzen will. Voller Zuversicht kämpft sie für die Organisation „Freed Kamalari Development Forum“ (FKDF) gegen das offiziell abgeschaffte System der Leibeigenschaft und somit gegen jahrhundertealte Gesellschaftsstrukturen in ihrer Heimat. Inzwischen konnten von Urmila und ihren Mistreiterinnen 13.000 Mädchen befreit werden. Urmila macht auch außerhalb Nepals auf die Situation in ihrer Heimat aufmerksam, sie reist auf andere Kontinente und hält mitreißende Reden, u.a. auf dem Oslo Freedom Forum. Gleichzeitig hat sie zum Ziel gesetzt, Rechtsanwältin zu werden und ihr Heimatland Nepal weiter zu verändern. Dafür versucht sie ihren Schulabschluss nachzuholen, denn wie den meisten Kamalari blieb auch ihr eine Schulbildung verwehrt. Dabei steht die 25-Jährige vor der schwierigen Aufgabe, das Lernen mit ihrer Arbeit als Aktivistin zu vereinbaren.

Unser Bürgermeister kriegt Hartz IV – Ehrenamt mal anders

Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich. Holger Klukas ist zum Beispiel ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Gallin-Kuppentin in Mecklenburg-Vorpommern. Dabei organisiert unter anderem Dorf-Ereignisse wie das Erntedankfest oder nimmt offizielle Aufgaben wie die Würdigung von Jubilaren wahr. Bei all diesen Tätigkeiten bezieht der gelernte Ingenieur lediglich Hartz IV: Seit dem Konkurs seines Arbeitsgebers muss der Dorfbürgermeister regelmäßig zum Jobcenter. Benni zeigt ehrenamtliches Engagement in der Justizvollzugsanstalt von Hannover, wo er eine Haftstrafe wegen Drogenschmuggels absitzt. Im Rahmen des Projektes „Gefangene-helfen-Jugendlichen“ führt er Jugendlichen in Gesprächskreisen vor Augen, wo sie landen, wenn sie sich nicht ändern. Angeliki Amanitou ist eine erfolgreiche Bankerin in Frankfurt, der die Finanzwelt allein nicht ausreicht: Für sie ist es wichtig, auch immer die andere Seite zu sehen – und so arbeitet sie einmal in der Woche in der Bahnhofsmission am Frankfurter Hauptbahnhof. Dort tauscht sie das Banker-Outfit mit der blauen Uniformweste, hilft Blinden beim Umsteigen und schenkt Obdachlosen Kaffee aus.