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Koloniale Bilderwelten?

Bildsprache und Erzählmuster in der Filmarbeit aus den Ländern des Südens

Dienstag, 30.11.2021 – 19.30 – 21.30 Uhr

Ethik-Kodices von Hilfswerken haben schon in den 1990er Jahren dafür gesorgt, dass die Bilder hungernder, verelendeter Menschen („Biafra-Kinder“) nicht mehr in den Fotos für die Spendenwerbung verwendet werden. Doch in der Filmarbeit hat sich dies erst später durchgesetzt.


Teilnehmende:
Michaela Zöhrer, Universität Augsburg
Christian Frevel, Adveniat, Essen
Tzehaie Semere, Entwicklungspolitisches Netzwerk Hessen

Moderation: Katja Maurer, medico international

Ort: Haus am Dom, Domplatz 3, 60311 Frankfurt/M.

Eintritt frei. Eine Anmeldung ist gegen eine Servicegebühr erforderlich.

ANMELDUNG

 

Die weiße Ärztin, die das kleine schwarze Kind im Arm hält, das dankend zu ihr emporblickt. Der blonde, bärtige Entwicklungshelfer, der dem bolivianischen Landarbeiter zeigt, wie die Maschine bedient wird. Die Kinder in der Missionsschule in Polynesien, die Schuluniform mit Wappen tragen, obwohl es keine heraldische Tradition in ihrem Volk gibt. Diese und viele andere Szenen sind hinreichend bekannt aus zahlreichen (Dokumentar-) Filmen.

Nur langsam geschieht die Abwendung vom Heldenepos, der viele der früheren Filme beherrschte. Wie kann es gelingen, dass die Menschen des Südens selbst ihre Situation beschreiben? Wie können tradierte Erzählmuster durchbrochen werden?

 

Dr. Michaela Zöhrer vom Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung der Universität Augsburg wird in die Thematik einführen. Sie widmet sich in ihrer Forschung gegenwärtigen Formen der medialen Repräsentation von Lebenswirklichkeiten im Globalen Süden und setzt sich mit diesen auch (eurozentrismus-)kritisch auseinander. In ihrem 2020 erschienen Buch „Repräsentation ferner Wirklichkeiten“ rückt sie die Bilderwelten und Weltenbilder in international tätigen Hilfs- und Nichtregierungsorganisationen in den Fokus.

Die Veranstaltung kann im Stream auf dem youtube-Kanal des Haus am Dom verfolgt werden.

 

2019

Donnerstag, 09.05.2019, 19:00 Uhr in der Evangelischen Akademie Frankfurt (Römerberg 9, 60311 Frankfurt/M.)
Congo Calling
Ein Film von Stephan Hilpert. Deutschland 2019, 90 Min.
 
Der Osten der Demokratischen Republik Kongo ist eine der ärmsten und unsichersten Regionen der Welt. Zu den EntwicklungshelferInnen und westlichen Experten, die das Land unterstützen wollen, gehören auch Raul, Peter und Anne-Laure. Sie sind hochmotiviert und voller Visionen, doch ihre Situation wirft für sie grundsätzliche Fragen auf. Raul, ein spanischer Wissenschaftler, muss feststellen, dass er seine Kollegen mit den Projektgeldern zur Korruption verführt und eine Studie über die Rebellengruppen deshalb zu scheitern droht. Peter, ein deutscher Entwicklungshelfer, wird nach 30 Jahren in Rente geschickt, sieht aber außerhalb von Afrika keine Perspektiven mehr für sich. Die Belgierin Anne-Laure wiederum kämpft um ihre Beziehung, als ihr kongolesischer Freund das Gefängnis plötzlich als berühmter Regimekritiker verlässt. Drei persönliche Perspektiven auf das Zusammenleben und Zusammenarbeiten zwischen Europa und Afrika werfen die Frage auf: Wie hilfreich ist die Hilfe des Westens?
Der Film wurde beim Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken 2019 mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.
Stephan Hilpert steht nach dem Film zum Gespräch zur Verfügung.
Eine Veranstaltung des Fernsehworkshop Entwicklungspolitik in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie Frankfurt,
www.evangelische-akademie.de
(Foto: Daniel Samer)
 

Eine-Welt-Filmpreis NRW 2017

Zum 9. Mal verlieh eine unabhängige Jury im Rahmen des Fernsehworkshop Entwicklungspolitik den Eine-Welt-Filmpreis NRW, der von der Landesregierung NRW gestiftet wurde und mit 7.500 € (1. Preis), 5.000 € (2. Preis) und 2.500 € (3. Preis) dotiert war. Mit dem Preis werden die Arbeiten von Regisseurinnen und Regisseuren gewürdigt, deren Filme für Probleme in Ländern des (globalen) Südens sensibilisieren, die aber auch Ansätze zur Veränderung aufzeigen und einen Perspektivenwechsel ermöglichen.
(Bild aus dem Film: „Das grüne Gold“ von Joakim Demmer)

Die Preisträger:

1. Preis: Das grüne Gold (Dead Donkeys fear no Hyenas) von Joakim Demmer
2. Preis: MIRR – Das Feld von Mehdi Sahebi
3. Preis: #My Escape von Elke Sasses

Empfehlungen für die Bildungsarbeit:

Arlette – Mut ist ein Muskel von Florian Hoffmann
Ebola – das Virus überleben von Carl Gierstorfer
Seeblind – Der wahre Preis der Frachtschifffahrt von Denis Delestrac

Die Begründungen der Jury finden Sie hier …